Sonntag, 14. Oktober 2012

Clara

Wieder ist Alt-Mürren, wie schon beim Roman „Fallstricke“, Schauplatz eines Verbrechens. Der Waldviertler Lagerarbeiter Michael Gruber hadert mit der Welt, die ihn umgibt. Und mit dem Schicksal. Der Unfalltod seiner Frau Sarah hat ihn völlig aus der Bahn geworfen. Ihn einsam, zum Außenseiter gemacht. Er sieht im Wiener Großindustriellen Kurt Bergmann den Schuldigen für sein Unglück und beginnt damit, einen Racheplan zu schmieden, der mit der Entführung von Bergmanns Tochter Clara in einem ersten Höhepunkt gipfelt. Das verwöhnte Partygirl Clara kommt mit dem Gefangenenstatus besser klar, als Michael das erwartet hätte. Die beiden beginnen sich aneinander zu reiben und dem Entführer kommen Zweifel. Doch nach einem Fluchtversuch wird aus der, als seelische Bestrafung gedachte Entführung bitterer Ernst. Michael findet einen Weg, Kurt Bergmanns Leben zu beenden. Von da an gerät seine „Mission“, wie er es nennt, zunehmend außer Kontrolle. Er findet an dem Schmerz, den er der Familie Bergmann bereitet, immer mehr Gefallen. Michael übergibt Clara eine geladene Waffe und sperrt kurz darauf seinen Erzfeind Franz Burger zu ihr ins Verlies. Der Grobian fackelt nicht lange und vergeht sich an Clara. Die weiß sich nach innerlichem Kampf schließlich zu wehren. Und legt damit den Grundstein für die nächsten Schritte in Michaels perfidem Plan. Der treibt unterdes Claras Mutter Elisabeth in den Selbstmord und bringt seine Gefangene dadurch soweit, auch gegen ihn die Waffe zu richten. Mit einem trügerischen Anreiz im Gepäck. Clara kommt auf mysteriöse Weise frei, entschließt sich jedoch auf Druck eines gewissen Wilhelm Bach, der Polizei wesentliche Fakten ihrer Gefangenschaft zu verschweigen. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellt. Bach beginnt Clara zu bedrängen. In ihrer Verzweiflung weiht sie Thomas Liebherr, ihren verflossenen Liebhaber, in alles ein. Dieser von Grund auf anständige Mensch beschließt ihr zu helfen. Und gerät damit selbst in die Fänge des unbekannten Phantoms. Es beginnt ein Katz und Maus Spiel, das sukzessive die verleumderischen Absichten Bachs offenbart. Bis er seine wahre Identität zu erkennen gibt und Clara vor eine enorme Entscheidung stellt. Eine Entscheidung, die letztendlich erst vor der malerischen Kulisse der „Zwölf Apostel“ an der Steilküste im Süden Australiens fällt. Und weitreichende Konsequenzen nach sich zieht.

Clara ist ein Thriller mit gesellschaftskritischem Unterton. Er spielt mit Gegensätzen und nimmt eine aus dem Ruder laufende Medienwelt aufs Korn. Die Charaktere symbolisieren eine von Einsamkeit, Ignoranz und Geltungssucht gezeichnete Gesellschaft, die letztlich keinen Platz für Individuen hat. Nachdenkliche Spannung von der ersten Seite an.