Sonntag, 8. Mai 2011

Putin, Russlands neuer Zar

Der Aufstieg des Wladimir Putin ist durchaus bemerkenswert. Aus einfachsten Verhältnissen kommend, trat er nach einem Jura-Studium in den KGB ein, wo er schnell einen hohen Offiziersrang bekleidete. Durch seine lange Tätigkeit in der DDR spricht er auch sehr gut Deutsch. Auch seine politische Karriere ging steil nach oben. Als Vizebürgermeister von Sankt Petersburg wurde er schließlich in den engsten Stab von Boris Jelzin als Ministerpräsident beordert und beerbte den trinkfesten Lebemann schließlich im Präsidentenamt. Putins Wirken in Russland ist für das westliche Verständnis nicht leicht nachzuvollziehen. Genauso wenig wie die russische Seele an und für sich. Ein Mix aus Lebensfreude, Melancholie und Grausamkeit. Vermutlich begründet auf eine Geschichte, die die Menschen niemals glücklich machte. Nicht unter den Mongolen, den Zaren, den Roten oder den heutigen Oligarchen. Nach den eher versöhnlichen Jahren unter Gorbi und Jelzin kehrte mit Putin eine harte Hand in den Kreml zurück. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete ihn als „lupenreinen“ Demokraten. Eine durchaus bedenkliche Aussage eines mitteleuropäischen Politikers. Betrachtet man alleine nur einige wenige Fakten. Wie etwa das brutale Vorgehen der russischen Armee in Tschetschenien und die Installierung des willfährigen Terrorvasallen Kadyrow als dortigen Präsidenten. Ein echter Schurke aus altem Schrot und Korn. Oder die Unterdrückung unabhängiger Medien. Die Ermordung Anna Politkowskajas ist nur die Spitze eines Eisberges, der im trüben Wasser dahindümpelt. Eine weitere Schandtat, die in Putins Amtszeit fällt, ist der Umgang mit dem Untergang des Atom-U-Bootes Kursk und den Hinterbliebenen. Jeder demokratische Politiker hätte sich bei einem derart stalinistischen Vorgehen verabschieden müssen. Aber auch außenpolitisch vermochte der „Cowboy aus dem Osten“ stets mit Konfliktpotential aufzuwarten. Wie etwa im Gasstreit mit der Ukraine, der eine unmissverständliche Drohgebärde gegen den Westen war. Die Europäische Union. Zur Erinnerung. Gerhard Schröder sitzt heute im Aufsichtsrat des russischen Gasriesen Gazprom. Ja, so lupenrein kann Demokratie sein. Doch Putin und seine derzeitige Marionette Medwedew scheuen es auch keinesfalls, unabhängige Staaten anzugreifen. Zuletzt gesehen in Georgien. Wo man mit Abchasien und Südossetien gleich zwei Provinzen ins ehemals sowietische Kernland zurückgeholt hat. Seiner Beliebtheit im eigenen Land hat das keinen Abbruch getan. Auch nicht, als er die Justiz ganz offen für seine Interessen einspannte und an dem unliebsam gewordenen Yukos-Chef Michail Chodorkowski in einem irrwitzigen Schauprozess ein Exempel statuierte. Und wer ihn nicht liebt, der schweigt eben aus Angst davor, nicht wie so viele andere zuvor im Gulag zu enden. Und der Westen? Der scheint in Ehrfurcht vor einem angeblich wieder erstarkten Russland zu erstarren. Und quittiert das laufende Säbelrasseln, die ständigen Erpressungen mit Demut. Putin, der neue Zar, wird sich darüber krumm und dämlich lachen.

1 Kommentar:

  1. Ich brauchte einige Stunden bis ich auf eure Seite gestossen bin. Dieser Beitrag ist sehr hilfreich für jederman der ihn hier liest. Danke fürs mitteilen.

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